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Video der Cosby-Band vom abc-Schulzentrum in Mpemba

 

 

Rundschreiben 113

 

Wir saßen unter einem Jakaranda-Baum in Afrika [mehr...]

 

Brunnenbau

 

An der neu gebauten abc-Primary in Chideya, Malawi [mehr...]

 

Rundschreiben 111

 

Trotz Einschränkungen und Widerstände durch Corona bauen wir in diesem Jahr 7 Schulen in Malawi. [mehr...]

 

Rundschreiben 109

 

Bericht zur 20. Malawi-Reise mit vielen Terminen, Begegnungen, Erlebnissen [mehr...]

 

News-Archiv [mehr...]

 

Schafe, Hühner und Meerschweinchen

 

Der Schamane murmelte Formeln und Gebete in Quechua, der Inka-Sprache der Hochlandindianer. Vor ihm standen zwei Plastikflaschen, die schon eine lange Lebenszeit hinter sich hatten. Darin schwammen Kräuter in Alkohol.
Er schüttete ein wenig auf die Erde, dazu eine Prise Salz und ein paar Brotkrümel, um die Pachamama zu bedenken, grüßte mit ausladender Geste Inti, den Sonnengott. Er nahm einen ordentlichen Schluck aus der Flasche, gurgelte damit und sprühte dies mit Hochdruck auf die vielen Indianer, die um ihn herumstanden. Das wiederholte er vier Mal in alle Himmelsrichtungen. Die Umstehenden nahmen das dankbar an und rieben sich andächtig die Gesichter. Sie fühlten sich gereinigt.


Das war der Start der Einweihungsfeier des ´Colegio Pablo Palacio de la Unidad Educativa Intercultural Bilingüe –abc-´ im Süden von Ecuador. Auf dem Schulhof, der u-förmigen, großen Sekundarschule, mussten alle Schüler klassenweise antreten. Drumherum scharten sich hunderte Indianer vom Volk der Saraguro. Männer mit langen Zöpfen, trugen schwarze Ponchos, weiße knielange Leinenhosen. Die Frauen trugen violett-schwarz gestreifte, breite und lange Tücher über ihren weißen Blusen, schwarzen Ponchos und langen gestreiften Röcken. Die Frauen hatten ihrer Tradition gemäß sehr schön gestalteten, üppigen Silberschmuck und mehrere Ketten mit bunten kleinen Perlen. Alle, Männer, Frauen, Schüler, Kleinkinder hatten einen Hut auf. Vie

le ihren traditionellen, schweren, weißen Filzhut mit breiter, gerader Krempe. Die Schule wurde besichtigt, der Bau, die 6 Klassenräume, die Einrichtung, der Computerraum, der Werkraum, die Küche, Lehrer- und Schulleiterzimmer, die Toilettenhäuser bestaunt und gelobt.


Unter der umlaufenden Veranda waren 14 Plastikstühle für die Honoratioren aufgestellt. Nach dem 25-Punkte-Programm musste nach dem Absingen der Nationalhymne und der Provinzhymne jeder dieser 14 Würdenträger eine Rede halten. Dabei begrüßte jeder Redner in seiner (zu) langen Rede zuerst die anderen 13 jeweils mit Namen, Rang und Titel. Sie hoben die bilinguale Erziehung – Quechua und Spanisch in allen Schuljahren, den interkulturellen Aspekt und alle die Bedeutung der Unidad Educativo, dem Schulzentrum, hervor. Besonders natürlich die Leistungen und das Engagement der abc-Gesellschaft e.V. – sie heißt dort „Fundación abc de Alemania. Denn gleichzeitig wurde der Kindergarten, ein heller Achteckbau mit überdachtem Innen-Spielhof, eingeweiht.

Vier Jahre davor wurde schon die sehr schöne Primarschule „Leonidas Proano“ - abc mit viel eigener Musik, traditionellen Tänzen und Schüleraufführungen und den obligatorischen Hymnen und Reden eingeweiht. (Leonidas Proano war ein sehr verehrter katholischer Bischof, der alle Kirchenschätze, sogar Messkelche verkaufte und den Erlös den armen Indianern schenkte.) Drei Schafe wurden in Lehm gebacken, ein Dutzend Meerschweinchen und 20 Hühner gebraten und vertilgt und Bier getrunken. Ein tolles, fröhliches, friedvolles Fest.

 

Danach wurden ein Frauenhaus mit Näh- und Strickmaschinen, eine Hutmacherei, Schmuckmacherei, eine Schreinerei, eine Baumschule und eine kleine Farm für den Gemüseanbau der Schulküchen unter Mithilfe der Bewohner aufgebaut und eingerichtet. Vorher gab es keine Schulen in Tenta in der Gemeinde Membrillo im Kanton Saraguro. Mütter, die selbst kaum lesen und schreiben konnten, versuchten, Kinder in einem kleinen Lehmhaus zu unterrichten.
In mehreren Seminaren der Lehrer-Wander-Akademie der abc-Gesellschaft und speziellen Workshops wurden Lehrer-Innen für die 6-jährige Primar-Schule trainiert und mit modernen Unterrichtsmethoden der –„escuela activa“ – und dem Einsatz didaktischer Materialien vertraut gemacht und alle 6 Klassen entsprechend ausgestattet.


Das Schulleben entwickelte sich Schritt für Schritt erfolgreich. Lehrer und Schüler kamen gut voran. Durch Schule und Werkstätten entwickelte sich eine besondere Schulkultur unter Einbeziehung der Eltern. Die Eltern haben sogar Geld zusammengekratzt, um einen alten, klapperigen, offenen Schulbus zu kaufen, damit die Kinder, die 7, 10,12 km entfernt wohnen, nicht so weit zur Schule laufen müssen.


Die Primarschullehrer beschlossen, den Erfolg mit dem ersten Lehrerausflug in ihrem Leben zu feiern. Sie fuhren an einen See, organisierten sich zwei Ruderboote, freuten sich diebisch, trieben Schabernack, bis ein Boot kenterte. 5 Lehrer ertranken. Keiner konnte schwimmen. In ihrer Jugend mussten sie auf den Feldern arbeiten, statt schwimmen zu lernen. Sie hinterließen 11 eigene Kinder, zwei von ihnen wurden Vollwaisen.
Sofort hat die abc-Gesellschaft eine Sammel-Aktion eingeleitet.


Mitglieder, Freunde und Förderer halfen spontan. Eine Schule in Dahlem NRW hat einen Sponsorenlauf durchgeführt. Das Ergebnis: jedem der hinterbliebenen Kindern konnte die abc-Gesellschaft 30 Monate lang 50 Dollar aushändigen. Kein Trost, aber eine kleine Hilfe für Familien, in denen die Kinder unterkamen, die mit 150 Dollar im Monat auskommen müssen. Lehrer verdienen so wenig, der soziale Status ist gering.

 

Bei der Übergabe des Geldes kam es zu einer sehr peinlichen und schwierigen Situation. Es war die hohe Zeit des Exodus. Abertausende von Ecuadorianern wollten mit Tricks, Schlepperbanden oder Touristenvisa unbedingt der Armut entfliehen und in USA oder Spanien Arbeit finden. Das wollten auch die Schulleiterin der Primarschule Zoila und ihr Mann, der auch Lehrer war.

 

„Als ich nach dem großen Unglück mit dem Geld, Geschenken und Lebensmitteln in Saraguro ankam, kamen bestimmt 200 Menschen auf mich zu. An der Spitze der Ehemann der Schulleiterin, die auch ertrunken war:
´Sie haben uns gesagt, wir sollen hier bleiben, nicht auswandern! Jetzt ist meine Frau tot! Ich stehe mit unseren 4 Kindern allein!´ Eisiges Schweigen. Eigentlich war es ein dröhnendes Schweigen.
Ja, ich hatte sie gebeten, die Schule nicht im Stich zu lassen und ihr ein monatliches, zusätzliches Salär angeboten. Sie hatte viel gelernt, auch bei ihrem Besuch in Deutschland und war so wertvoll für ihre Kollegen und die Schüler.“

 

Zunächst war es schwer, wieder Lehrer zu finden, zu motivieren und fortzubilden. Das Schulleben kam wieder in Gang. Die Eltern fragten: Wir haben jetzt eine so gute Primarschule und was passiert anschließend mit unseren Kindern? Andere fragten: Und was ist davor? Also reifte der Plan eine Secundaria, die bis zum Abitur führen sollte, und einen Kindergarten zu bauen. In der Zwischenzeit hat schon eine Reihe von Schülern darin Abitur gemacht. Manche sogar ein Stipendium für die Uni in der Hauptstadt bekommen.

 

Dr. Macas, der erste promovierte Indianer des Landes, ein Saraguro, war Präsident der ´Konföderation der Indigenen Nationalitäten von Ecuador´, der CONAIE. Dort reifte ein Plan, eine Indianer-Universität aufzubauen. Die Indianer zogen immer den Kürzeren, hatten in der Regel eine schlechtere Ausbildung im Hinterland. Die Mestizen bestimmen Handel, Wirtschaft, Finanzen und Politik im Lande. Nach dem großen Kongress und der Deklaration aller indianischer Völker beider Amerika und der 500 Jahrfeier der „Entdeckung“ Amerikas durch Kolumbus, den die Indianer als Gedenktag des 500-jährigen Widerstandes feierten, besannen sich immer mehr ihrer alten Kultur. Ergo konstituierte sich in Quito die „Universidad Intercultural de las Nacionalidades y Pueblos Idigenas – UINPI“.

 

Bei der Einweihung der Secundaria entstand nun der Plan und Vertrag, dass die abc-Gesellschaft in Saraguro das „Centro Universitario Intercultural Bilingüe – abc- de la UINPI“ baut. Es entstanden Räume für drei Fakultäten der ersten Indianer-Universität von Südamerika - Recht, Agroökölogie und Education. Dazu eine Aula, Verwaltungsräume und ein überdachter großer an den Seiten offener Raum für Musik-, Theaterveranstaltungen Studenten- und Bürgerversammlungen.
Bei der sehr gelungenen Einweihungsfeier im Jahre 2002 mit Gauklern, Zauberern, Stelzenläufern und Musikern hielt ein Mann eine besondere Rede, Sr. W. Hallo, dessen Großvater der letzte gewählte Kazike der Region Quito war. Er kann seine fürstliche Familie bis nahe zu Atuhualpa zurückverfolgen. 1638 haben die Spanier seine Familie urkundlich erwähnt. Vorher gab es nur mündliche Überlieferungen.

 

Signatur Kuhnzurück

F.-J. Kuhn